Landesbahnhof Mistelbach - Lost Place

July 17, 2022  •  Kommentar schreiben

Wie ein Scheinwerferkegel beleuchtet das Licht der tiefstehenden Sonne die rote Diesellok am alten Bahnhof in Mistelbach. Diese grandiose Lichtstimmung erweckt mein Interesse an der Lok als Fotomotiv. Bei genauerem Hinschauen entdecke ich, dass die alte Lokomotive keine Fenster mehr hat und damit war meine Neugierde endgültig geweckt. Also sofort hin zum alten Bahnhofgebäude zwecks näherer Betrachtung.

Der Lokalbahnhof Mistelbach im Weinviertel wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. 1906 wurde die Bahnverbindung Gänserndorf - Mistelbach aufgenommen. Nach einem knapp 100 jährigen Betrieb wurde diese 2004 stillgelegt und die Gleise teilweise abgebaut. Ebenso 1906 wurde die Strecke Korneuburg - Mistelbach - Hohenau eröffnet und bis 1998 betrieben. In Mistelbach liefen sprichwörtlich die Schienen zusammen und es ergab sich die Notwendigkeit einen zweiten Bahnhof zu errichten - den Lokalbahnhof oder auch Landesbahnhof. Es entstanden neben dem Bahnhofsgebäude diverse Wartungs- und Reperaturwerkstätten. Am Höhepunkt Mitte der 1960er waren mehr als 600 Menschen am Bahnhof beschäftigt. Bis 1976 wurden Dampfloks betrieben - am zweitlängsten in Österreich. Danach begann jedoch der Abstieg, da die Strecken nie elektrifiziert wurden und ein Dasein als Nebenstrecken führten, die schlussendlich alle eingestellt wurden. 2004 wurden dann die letzte verbliebene operative Einheit der ÖBB abgesiedelt und der Bahnhof wurde zu einem Lost Place. Er steht heute im Eigentum der Verein Neue Landesbahn.

Das alte Bahnhofsgebäude ist in einem ordentlichen Zustand und scheint erst gestern verlassen worden zu sein. Natürlich nicht mehr up-to-date, aber auch in keinster Weise verfallen oder desolat. Aber das wirklich interessante sind die alten Bahnsteige und Gleisanlagen. Aufgereiht in langen Schlangen stehen die alten Personenwaggons, Güterwaggons und Lokomotiven. Ganz vorne meine ursprünglich erspähte Diesellok - verrostet und ohne Fenster. Die roten Dieselriesen sind wahrscheinlich alle fahruntüchtig - und doch sind mittendrin liebevoll und neuwirkende Loks, die vom Verein Neue Landesbahn wahrscheinlich in unzähligen Arbeitsstunden restauriert wurde.



Auch die alte Dampflok ist leider nur mehr ein rostiges Gerippe durch das sich die letzten Sonnenstrahlen ihren Weg suchen. Faszinierende Technik einer vergangenen Zeit und sehr schade, dass die Erhaltung wahrscheinlich zeitlich und finanziell kaum möglich ist.



Die Personenwaggons aus unterschiedlichen Epochen der fast 100-jährigen Geschichte der NÖ Landesbahn sind auch imposante Zeitzeugen. Bei einem Blick in das Innere fühlt man sich wie in einer Zeitmaschine. Trotz der dicken Staubschicht scheint es, dass hier erst gestern noch die Reisenden unterwegs waren.




Innerhalb kurzer Zeit hatte ich - auch bedingt durch die faszinierenden Lichtverhältnisse - einige hundert Fotomotive gefunden. Ein faszinierender Ort und für Eisenbahnfreunde und Technikfreaks sicherlich ein empfehlenswerter Lost Place. Ein Hinweis ist jedoch unbedingt notwendig - das Gelände ist kein Spielplatz! Also bitte vorsichtig sein, nichts ruinieren oder besprayen - sondern es so hinterlassen wie es ist und sich an der Faszination dieses Ortes erfreuen.


Fotospots hoch über dem Rheintal

June 25, 2022  •  Kommentar schreiben

Fotospots hoch über dem Rheintal

Das 3-Ländergebiet Österreich, Deutschland und Schweiz am Bodensee bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten die Schönheit der Natur zu genießen. Die Berggipfel in Österreich und der Schweiz sind zum Greifen nahe. Das mächtige Rheintal bildet die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz und eine Stadt geht fast in die andere über. Und dann nicht zu vergessen auf das liebliche Appenzellerland in der Schweiz.

Diese Vielzahl an Kulturlandschaften mal von oben zu überblicken und zu bestaunen, führte mich auf die Suche nach den Top-Aussichtsplätzen. Unbescheiden sind meine Nebenbedingungen aber - neben einer leichten Erreichbarkeit - auch den Sonnenuntergang erleben und genießen zu können. Gleich vorweg - ich habe diese Fotospots und Plätze gefunden und darf diese uneingeschränkt empfehlen!

Hoher Kasten

Der 1.793 Meter hohe  Hohe Kasten liegt im Appenzellerland und bildet die Grenze zwischen den Kantonen St. Gallen und Appenzellen Innerrhoden. Mit seiner freistehenden Spitze ermöglicht er einen 360 Grad-Rundblick. Richtung Norden säumen unzählige Hügel und Berge den Blick zum Bodensee. Richtung Osten fallen die Feldwände sehr steil ins Rheintal ab. Im Westen und Süden ragt das Alpsteinmassiv in den Himmel und eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf den Säntis.

Die Seilbahn Hoher Kasten bringt den Besucher in wenigen Minuten von der Talstation in Brülisau zum Gipfel. Ein drehbares Panoramarestaurant, der Pflanzengarten und diverse Aussichtsplattformen sind damit bequem erreichbar. Um den Sonnenuntergang erleben zu können bietet die Seilbahn einmal monatlich Abendfahrten an. Die Betriebszeit ist an diesen Tagen je nach Monat bis 22 bzw. 23 Uhr verlängert (bitte auf der Homepage entsprechend informieren). Diese Abendfahrten sind lohnend und bei schönem Wetter kommt man in den Genuss sowohl die goldene Stunde, den Sonnenuntergang und auch die blaue Stunde erleben zu dürfen.

Staubern

Bei meinem Besuch am hohen Kasten ist mir das Berggasthaus Staubern aufgefallen, da es ausgesprochen lieblich am Grat vor dem bizarr wirkenden Staubern liegt. Die Stauberenkanzel ist ein schroffer Felsspitz mit 1860 m Höhe und am Grat darunter thront das Berggasthaus. Der Anblick war so wunderschön, dass ich sofort begonnen habe zu recherchieren, wie ich dorthin komme. Meine Überraschung war sehr groß, dass es auch hier eine Bergbahn Staubern gibt.

Die Talstation liegt im kleinen Dorf Sennwald in der Nähe von Altstätten. Bei der Bergbahn handelt es sich um eine selbstfahrende Bahn! Beim Ticketautomaten in der Talstation löst man ein Ticket und nimmt in einer 8er-Gondel Platz. Alle 20 Minuten setzt sich diese wie von Geisterhand in Bewegung und man startet sein Bergabenteuer. Ich sage Abenteuer, weil es geht eine fast 1.300 Meter hohe senkrechte Wand hinauf zu Bergstation am Grat. Wer also Höhenangst hat, sollte sich unbedingt in Richtung Wand und nicht Rheintal setzen - und sich auch bewusst sein, dass man oben am Grat aussteigen muss. 

Nach wenigen Minuten Fahrt erreicht man dann das Berggasthaus am Grat. Auf der einen Seite geht es steil bergab ins Rheintal mit Blick auf die Stadt Feldkirch bis hinein nach Bludenz, rechts der Ausblick nach Liechtenstein und weiter hinauf ins schweizerische Rheintal. Nicht ganz so steil die andere Seite des Grats mit Blick auf das Alpsteingebirge. Um den Säntis zu sehen, muss man den Weg hinauf Richtung Stauberenkanzel nehmen, der gleich nach dem Gasthaus steil ansteigt. Dem Grat folgend gelangt man auf einem Höhenweg zum Hohen Kasten. Wenn man sich jedoch vom Berggasthaus entfernt, sollte man über entsprechendes Schuhwerk und Schwindelfreiheit verfügen (!)

Super ist, dass die Bahn von April bis Dezember täglich bis 22:00 Uhr in Betrieb ist. Damit sind die abendlichen Highlights wie goldene und blaue Stunde sowie Sonnenuntergang fast ganzjährig garantiert.


Fotospot Murano

May 05, 2022  •  Kommentar schreiben

 

Die Insel Murano liegt nur wenige hundert Meter von Venedig entfernt. Vom Stadtteil Cannaregio hat man einen schönen Blick auf Murano. Die Nähe zu Venedig hat auch den Vorteil der leichten Erreichbarkeit. Mit den Linien 3, 4.1 und 4.2 ist man nach einer kurzen Fahrt in wenigen Minuten bei der Haltestelle "Murano Colonna".

Murano ist bekannt für sein Glas und die Glasblaskunst. Historisch geht dies ins 13. Jahrhundert zurück, als aus Brandschutzgründen alle Glasöfen aus Venedig nach Murano verlagert wurden. Die Bewahrung der Technik der Glasherstellung war ein weiterer wichtiger Grund. So war es den Glasbläsern bei Todesstrafe verboten ihr Wissen weiterzugeben. Die Bedeutung der Insel nahm im Laufe der Jahrhunderte ab. Erst durch den einsetzenden Tourismus blühte die Insel wieder auf und ist heute ein "must see" bei einem Venedigbesuch.

Vom Anleger "Murano Colonna" erreicht man in wenigen Schritten, den Kanal Rio de Vertrai. Links und rechts des Kanals säumen unzählige Geschäfte den Weg. In den Meisten wird Muranoglas in unterschiedlichsten Formen und Farben angeboten. Eine Vielzahl von Glasbläsern und Glaskünstlern arbeiten und produzieren für die einzelnen Geschäfte. Dadurch ist es auch so, dass die Auswahl je Shop sehr unterschiedlich ist und es in jedem etwas neues zu entdecken gibt.

Tipp: in den Shops unbedingt den Preis verhandeln - oftmals gibt es "Sonderangebote" oder Mengenrabatt

Die bunten Häuser entlang des Kanals sind lohnende Fotomotive. Knapp vor dem Ende und der letzten Brücke macht der Kanal eine Biegung. Hier ist es besonders schön am Vormittag mit einem leichten Teleobjektiv zu fotografieren. Über eine große Holzbrücke gelangt man in den Stadtteil San Donato. Den breiten Kanal ist in beide Richtungen sehenswert. Wir wenden uns nach rechts und spazieren an dem Anleger "Murano Museo" vorbei. Gleich danach erreicht man einen Spitz an dem ein weiterer Kanal mündet.

Es ist dann nur ein kurzer Weg bevor man die Basilica dei Santi Maria e Donato erreicht. Ein kurzer Besuch der Kirche empfiehlt sich, da diese über einen sehr schönen Mosaikboden verfügt. Für Fotoaufnahmen der Kirche überquert man am Besten die kleine Brücke und fotografiert von der anderen Seite des Kanals. Mit einem Weitwinkelobjektiv ist es dann möglich, neben der Kirche auch den Glockenturm und den Kanal aufs Bild zu bringen.

Über die Kanäle in Murano gibt es relativ wenige Brücken. Um unseren Ausgangspunkt wieder zu erreichen, muss man daher den gleichen Weg retour gehen. Ich empfehle aber auf der anderen Seite zu bleiben und bis zur Haltstelle "Murano Navagero" zu gehen. Von hier kann man wieder das Boot der Linie 4.1 zurück nach Venedig nehmen.

Wer Murano und Burano in einem Tagesausflug kombiniert, nimmt einfach ein Boot, das nach "Murano Faro" fährt (1 Station). Man überquert de facto nur den Kanal, und ab Faro fährt die Linie 12 nach Burano. Ein Vorteil hierbei ist, dass  man den Leuchtturm als lohnendes Motiv noch fotografieren kann.

Tipp: die Kombination Murano und Burano ist sehr beliebt - bei der Haltestelle Faro können sich daher lange Schlangen vor den Booten der Linie 12 bilden. Es ist daher ratsam eher am späteren Nachmittag die Fahrt nach Burano einzuplanen, denn da wird es etwas ruhiger.

http://www.schopho.com

 


Fotospot Burano

May 04, 2022  •  Kommentar schreiben

 

Die kleine Insel Burano ist von Venedig mit dem Boot Linie 12 in 1,5 Stunden leicht erreichbar. Ein Halt erfolgt auch auf der Insel Murano bei der Haltestelle "Murano Faro", wodurch die beiden berühmten Inseln zu einem Tagesausflug von Venedig kombinierbar sind. Die Intervalle der Linie 12 betragen untertags ca. 30 Minuten - abends nur mehr stündlich. Da die Inseln als Ausflugsziel sehr beliebt sind, können die Boote oftmals wirklich sehr voll sein. Besonders bei der Rückfahrt nach Venedig - oder wenn man in Murano zusteigen will in beide Richtungen, muss man teilweise mit längeren Warteschlangen (!) rechnen.

TIPP: den Sonnenuntergang auf Burano geniessen, gemütlich Abendessen und dann entspannt zurück nach Venedig fahren - die Menschenmassen verlassen spätestens um 18 Uhr Burano.

Die meisten Touristen betreten die Insel bei der Station "Burano". Mit der Linie 12 kommend, kann man aber auch bereits eine Station früher aussteigen ("Mazzorbo"). Von dort ist es ein gemütlicher Spaziergang von 1 km bis zum Anleger Burano.

Burano selbst besteht aus vier Einzelinseln, die durch Kanäle getrennt und Brücken miteinander verbunden sind. Vom Fähranleger kommend gelangt man durch eine enge Gasse zum Casa Colorate, an dem der Kanal eine 90 Grad-Biegung macht. Und damit ist man auch schon mittendrin bei den schönsten Fotomotiven der Insel. Die bunten Häuser und deren Spiegelung im Kanal sind unzählig. 

Je nach Tageszeit und Sonnenstand spaziert man weiter auf der entsprechenden Seite des Kanals. Die meisten Touristen bewegen sich auf der einen Seite bis zur Brücke Tre Porti - oder in die andere Richtung zur Piazza Baldassarre Galuppi.

TIPP: Empfehlenswert ist jedenfalls diese Hauptrouten zu verlassen und die eine oder andere stillere Ecke zu entdecken. Man wird durch eine Vielzahl idyllischer Häuser, weniger Trubel und lohnenden Fotomotive belohnt.

Für einen gemütlichen Rundgang mit ausführlicher Entdeckung benötigt man ca. 1-2 Stunden.

http://www.schopho.com

 


Fotospot Neretva Delta, Kroatien

January 12, 2022  •  Kommentar schreiben

Wer mit dem Auto nach Dubrovnik unterwegs ist, fährt durch das Delta des Flusses Neretva. 150 km südlich von Split bequem via Autobahn erreichbar - oder 100 km nördlich von Dubrovnik über die kurvige und teilweise enge Küstenstraße.

Die Neretva entspringt in Bosnien-Herzegowina. Auf ihrem 218 km langen Weg in die Adria durchströmt sie unter anderem die berühmte Brücke von Mostar. Das 40 km lange Delta liegt in einer Ebene, die zur Gänze zu Kroatien gehört. Das eigentliche Flussdelta beginnt bei der Stadt Metkovic. Nahe der Stadt befinden sich die Ruinen der antiken Stadt Narona, deren damalige Bedeutung von der Lage am Fluss und in Meeresnähe abhing. Die letzten 25 km des Flusses sind reguliert und daher für kleine Schiffe befahrbar.

Das Delta spielt eine große Rolle für die Landwirtschaft. Der Fluss bietet die Möglichkeit der Bewässerung und schafft damit eine sehr fruchtbare Gegend. Leider wird durch Trockenlegung zwar neue Anbaufläche geschaffen, aber auch die ursprüngliche Natur verändert. Angebaut werden vor allem Mandarinen, die im Herbst bei diversen Veranstaltern auch selbst geerntet werden können. Aber auch Granatäpfel, Zitronen und viele andere Früchte. Die breite Palette zeigt sich gut an den vielen kleinen Obst- und Gemüseständen, die die Straße von Split nach Dubrovnik säumen.

Um die ganze Schönheit des Flussdeltas zu bestaunen, lohnt es sich ein Boot mit Guide zu mieten. Ein perfekter Anbieter ist die Villa Neretva. Diese liegt direkt an der Straße nach Metkovic und bietet neben einem Restaurant mit sehr guter Küche auch einige Hotelzimmer. Mit dem deutschsprachigen Chef ist es ein Leichtes eine Bootstour zu organisieren, die in der Nähe startet und individuell abgestimmt wird.

Die landschaftliche Schönheit fasziniert den Betrachter. Das intensive blau des Flusses und Himmels - die schroffen kahlen Berge, die das Delta einsäumen - dies alles gepaart mit der üppigen Vegatation von Schilf bis zu den Obstplantagen. Eine Vielzahl von großen und kleinen Kanälen kann optimal mit dem Boot erkundet werden. Hinter jeder Ecke und Windung finden sich neue traumhafte Ausblicke auf diese Region.

Im Delta gibt es auch eine einzigartige Tierwelt. Die Bedingungen bieten einen perfekten Lebensraum insbesondere für viele Vogelarten. Ich habe beispielsweise noch nie so viele Eisvögel sehen und fotografieren können wie hier.

Das Neretva Delta ist mehr als nur einen kurzen Zwischenstopp jedenfalls wert. Wer also mit dem Auto nach Süd-Dalmatien unterwegs ist, sollte - oder besser gesagt muss hier einen Zwischenstopp einlegen.

 

 

 

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